Rund um Winnenden

Peter Preis hat für viele Jahre im Ehrenamt die Ehrennadel des Landes verliehen bekommen. Bild: Habermann

Vom Job her vorbestimmt

Von unserem Redaktionsmitglied Uwe Speiser, Schwaikheim.

Er war von Beruf Schriftsetzer. Also war allen klar, als im Mandolinenclub ein neuer Schriftführer gesucht wurde: Peter Preis wird’s. Und blieb es 30 Jahre lang. Beim Neujahrsempfang der Gemeinde bekam er dafür die Ehrennadel des Landes überreicht.

Auch wenn er also vom Job her vermeintlich ideale Voraussetzungen mitbrachte, eigentlich hatte er ja ein Riesenhandicap, so Preis launig. Er war kein - und wird es auch nicht mehr werden - gebürtiger Schwaikheimer. Die Familie kam nämlich „erst“ 1946 nach Schwaikheim, mit der ersten Flüchtlingswelle nach dem Krieg, als Vertriebene aus dem Sudetenland, genauer vom Rand des Erzgebirges. Der Vater war vor dem Krieg „auf der Walz“ als Frisörgeselle in Schwaikheim gewesen. Mit den Bekannten und Freunden, die er dort gewonnen hatte, setzte er sich nach der Entlassung aus der britischen Gefangenschaft in Verbindung und so wurde Schwaikheim Anlaufstelle für die Familie.

Für Peter Preis, der damals noch keine zwei Jahre alt war, wurde der Ort, an dem er aufwuchs - zudem noch an der Ziegelstraße, wo er noch heute wohnt, nur zwei Häuser weiter - seine Heimat, daran lässt er keinen Zweifel, Geburtsort hin oder her. „Ich kenne Schwaikheim noch aus der Zeit, als es nur 3600 Einwohner hatte.“ Seine Frau, die daneben sitzt, als er das erzählt, hat da so ihre Zweifel. Genau genommen sei es doch bloß so gewesen, dass man ihrem Peter das halt später erzählt hat, dass Schwaikheim damals eben so viele Einwohner hatte. Eine nicht ganz ernst gemeinte Spitzfindigkeit, über die beide herzlich lachen können, wie überhaupt zwischen den beiden immer wieder Witzeleien zu allerlei Begebenheiten hin und her fliegen.

Aber auch sie, aus dem Allgäu stammend, erinnert sich, dass es damals nicht einfach war. Nirgendwo, auch nicht in Schwaikheim, rannten die Flüchtlinge offene Türen ein. „Die Leute wollten keine Stube hergeben, sie hatten ja selbst nichts, man musste wirklich froh sein, wenn man eine Wohnung bekam.“

Erst im Orchester, dann zunächst „bloß“ Pressewart

Preis trat 1963 in den Mandolinenclub ein. Gut Gitarre spielen konnte er schon vorher. Bis 1976 spielte er im Orchester. Dann wurde er zunächst „bloß“ Pressewart. Bloß, weil er in der Funktion kein Stimmrecht im Vorstand hatte. Er bekam vom Schriftführer - der selbst am Ende über 50 Jahre im Amt war - die Abschriften der Sitzungsprotokolle, saß bei den Sitzungen natürlich aber auch dabei und sagte seine Meinung, durfte aber eben nicht den Finger heben, wenn es ernst wurde. Natürlich war er auch im Arbeitsdienst beim Neubau des Vereinsheims dabei, und er entwarf das neue Wappen, das das vorherige, ein Edelweiß, ersetzte durch ein Symbol, das eine Gitarre und ein Akkordeon versinnbildlicht.

Eine Zeit lang schrieb Preis nicht nur die Berichte von den Haupt- und sonstigen Versammlungen, sondern auch Konzertberichte, sowohl fürs Amtsblatt als auch immer wieder für die Zeitung. Aber er fühlte sich dabei nicht sonderlich wohl. „Es ist schwierig, objektiv zu sein, wenn man selbst im Verein ist oder sogar noch selbst mitspielt.“ Allen recht machen könne man es ohnehin nicht. Er habe sich eben auch vorbehalten, schon mal anzumerken, wenn es „Wackler“ gab, das kam nicht immer bei jedem gut an. Aber nur Lobhudeleien wollte er eben nicht schreiben. Aber auch das Gegenteil sorgte für „Misstöne“: Wenn das Konzert nach Meinung von anderen nicht gut war und er selbst aber nichts auszusetzen hatte, war’s eben auch nicht recht. Dem Nachkarten, Nachgaigeln sei so einfach nicht zu entgehen gewesen, erinnert sich Preis. Kurzum, er war froh, als er die Konzertberichte endlich und endgültig an die Zeitung und damit an unbefangene Berichterstatter von außen abgeben konnte.

Artikel vom: 17.01.2009, WiZ