Rund um Winnenden

Ralf Matthews kann nicht nur dirigieren. BIld: Steinemann

Dirigent singt Sinatra-Hit

Schwaikheim. Beim Benefizkonzert der örtlichen Musikvereine in der katholischen Kirche hat sich Schwaikheims kulturelle Vielfalt wieder einmal bestätigt. Von allem war etwas dabei: Saitenschmelz vom Mandolinen-Orchester, Harmonika-Highlights vom Akkordeon-Orchester, zackige Blasmusik vom Musikverein. Viele sonst eher kirchenferne Klänge gab’s zu hören.

Es ging los mit den mal singenden, mal schnarrenden, mal schwingenden Saiten von Mandolinen und Gitarren. Klänge, die auf die Spieler des Mandolinenclubs Freude und Faszination ausüben. Was sie den Zuhörern zu vermitteln wussten, auch unter Leitung des neuen Dirigenten Utz Grimminger bei seiner Konzertpremiere. Das Auftaktstück „Erinnerung an Italien“ rief mit diesem typisch anschwellenden Schluchzen ein wunderschönes, ein Urlaubs-Italien in Erinnerung.

Die „Celtic Fairies“, eine sechssätzige Suite mit keltisch-britischen Motiven, beinhaltete indes die ganze Bandbreite der Zupfinstrumente, präzises Unisono ebenso wie schwelgerisches Schwärmen. Einziges Manko: die ausufernde Moderation von Jörg Schmidt, der neben Wissenswertem auch manche Länge zuließ. Ob tatsächlich jeder Satz der Suite extra hätte erklärt werden müssen?

Der neue Dirigent versuchte sich dafür erfolgreich in Agogik-Artistik, ließ es schneller und langsamer werden, nahm hier das Tempo dämpfend zurück, forderte dort, an speziellen Stellen, spezielles Engagement und kriegte es auch. Um nach dem hebräischen Volkslied „Hava Nagilah“, das fast zum Mitklatschen verführt hätte, mit einer „Humoreske“ Dvoraks und einer Polka als Zugabe ein vielbeklatschtes Finale folgen zu lassen.

Anders im Klang, ein starker Kontrast: das Akkordeonorchester unter Leitung von Janina Rüger. Engagiert und intensiv dirigierte die junge Frau ihre Harmonika-Truppe mit den schweren, sperrigen Instrumenten, die auf der Bühne erst mal in Positur gebracht werden wollen. Die Musik indes klang nicht steif, sondern zunehmend leicht und beschwingt, etwa in einer „Märchen-Sinfonietta“ mit einem traurig klagenden „Aschenputtel“-Andante und dem triumphierenden „Hans im Glück“-Rondo zum Schluss. Gelungen auch ein Bach-Adagio mit passabler Intonation, noch unterhaltsamer, weil spritziger und pfiffiger „Ungarisch“, eigentlich ein Stück für Salonorchester, und der Strauß-Walzer als Zugabe.

Quirlige, aber auch zackig-präzise Blaujacken

Und dann stürmte die größte Musiker-Schar des Konzertes den Platz am Altar, auch die quirligste - und die lauteste! Die Blaujacken des Musikvereins präsentierten sich unter Leitung des jungen, dynamischen Ralf Matthews als zackig präzise Blasmusiker, die vieles können, auch Frank Sinatras „My Way“ - mal ohne Trompetensolo, dafür mit Matthews kräftigem Tenorgesang - und sogar Bach. Auch wenn dessen „Air“ (aus der Orchestersuite Nr. 3 D-Dur) mit hörbaren Intonationsschwierigkeiten einherging, wie sie laut Matthews wegen der lange zu haltenden Töne für Bläser fast obligatorisch seien. Was ihn „Air“ mit „Luft“, nämlich fehlender, übersetzen ließ.

Richtig knackig klang dafür der „Europamarsch“ zu Beginn, den der Dirigent gegen den ursprünglich geplanten „Alte Kameraden“ tauschte, wegen der Kirchenakustik. Und dann die beiden Polkas, ohnehin Matthews Leib- und Magen-Musik. In „Böhmischer Traum“ flogen erstmals die Fetzen, und zur Zugabe in den „Morgenblüten“, einer „verschobenen“ Polka, nochmals. Kleine Jungs im Publikum bliesen nachahmend in Papier und dirigierten heimlich mit, während die Großen sich ebenfalls mitreißen ließen.

WKZ vom 01.02.2011