Rund um Waiblingen

Akkordeon-Experiment mit Zuhörern: Es spielen Umberto (links) und Giovanni (rechts) aus Italien und Isabell und Lukas aus Korb. Bild: Habermann

Allegro auf Schwäbisch

Korb. Italienisch geht es diese Woche beim Handharmonikaclub Korb zu. Aus Florenz ist Musikprofessorin Patrizia Angeloni angereist – zum ersten deutsch-italienischen Workshop, bei dem Zuhörer ausdrücklich erwünscht sind. Ein Werkstattkonzert ist für morgen um 17 Uhr angesetzt.

Espressivo, allegro und largo – Professorin Angeloni kann zwar kein Deutsch, aber die Korber und Schwaikheimer Akkordeonschüler verstehen trotzdem, was sie von ihnen will. 38 Acht- bis 19-Jährige haben sich für den Workshop angemeldet. Zwei Schüler kommen aus Italien, die übrigen aus Korb und Schwaikheim, wo Janina Rüger, Musikerin und Akkordeonlehrerin, beim Handharmonikaclub und Mandolinenclub unterrichtet.

Die 29-Jährige hat nach ihrem Studium in Trossingen selbst ein Jahr am Conservatorio di Musica „Luigi Cherubini“ in Florenz studiert und 2008 ein Sommerprojekt mit angestoßen, bei dem sich Akkordeonlehrer aus verschiedenen Ländern einmal im Jahr treffen. Auch Patrizia Angeloni ist an diesem Projekt beteiligt. Und so hatten die zwei gemeinsam die Idee zum deutsch-italienischen Akkordeon-Workshop.

Der Blick über den Tellerrand tut beiden Seiten gut, sagt Janina Rüger. „In Italien hat man eine andere Art zu unterrichten.“ Die 29-Jährige kann sich noch genau an ihre erste Klavierstunde damals in Florenz erinnern. Ein völlig verrauchtes Musikzimmer, wo eigentlich Rauchverbot war. Eine hagere kleine Frau, mit Riesenbrille und dicken Klunkern an den Fingern, die sie aufforderte: „Spielen Sie mal etwas, was Sie in Deutschland gelernt haben.“ Und der Kommentar hinterher. „Wir Italiener übertreiben immer!“ Mehr Ausdruck hat sie deshalb auch von Janina Rüger verlangt. Mut zu Fehlern. „Nicht Perfektion, sondern Fantasie!“ – um Freiräume zu schaffen für Entwicklung.

Experiment Kammermusik inbegriffen

Ein bisschen experimentiert wird auch beim deutsch-musikalischen Workshop diese Woche. „Wir wollen neue Formationen bilden“, sagt Janina Rüger. Es gibt Einzelunterricht, aber auch Gruppenunterricht in kammermusikalischer Besetzung – mit Geige, Saxofon, Flöte und Klarinette. Wer gerade keinen Unterricht hat, kann bei den anderen zuhören oder in einem Nebenraum üben. Immer in Aktion sind die drei Lehrerinnen: Janina Rüger und Christa Sehring vom HHC sowie Patrizia Angeloni.

Obwohl Letztere kein Wort Deutsch spricht, war für Janina Rüger immer klar, dass das Projekt gelingt. „Ich habe schon öfter Schüler nach Italien geschickt. Es funktioniert.“ Fest eingeplant ist deshalb jetzt schon der Gegenbesuch nächstes Jahr in den Osterferien in Prato in der Toskana, wo Patrizia Angeloni an der Musikschule unterrichtet. Janina Rüger: „Nicht nur die Umgebung ist traumhaft, ich kenne auch schon eine fantastische Pizzeria.“

Artikel WKZ vom: 01.04.2010