WKZ 17.01.2007

Seit bald einem Vierteljahrhundert im Vorstand: Dieter Haag. Bild: Pavlovic

 

Überzeugungsarbeit für den Verein

Schwaikheim (usp). Der Respekt für die Kämpfernatur war deutlich. Bürgermeister Gerhard Häuser konnte bei der Würdigung der Verdienste von Dieter Haag im Rahmen des Neujahrsempfangs auch auf eigene Erfahrungen mit dem langjährigen Vorsitzenden des Mandolinenclubs zurückgreifen.

Der auch verbissen geführte „Kampf ums Überleben des Vereinsheims“, so Häuser, liegt zwar ein paar Jahre zurück, aber Haags Erinnerungen an die Ereignisse und die zähen Verhandlungen Mitte, Ende der 90er Jahre sind noch taufrisch. Haag nahm damals den neu gewählten Bürgermeister in die Pflicht, der dem Verein Unterstützung versprochen hatte, als es anhaltende Schwierigkeiten wegen eines Bauantrags der Grundstücksbesitzer gab.

Auch der Gemeinderat, beziehungsweise die Mitglieder des Technischen Ausschusses, kamen in den Genuss persönlicher Überzeugungsarbeit durch Haag. Er weiß noch genau, dass dann zwar in der entscheidenden Abstimmung drei bei ihrem „Nein“ blieben, und er weiß auch noch, wer die drei waren, aber die Befürworter waren eben die deutliche Mehrheit, und nur das zählte. Ein Pfund, mit dem der Verein damals wuchern konnte und bis heute kann, ist, dass er sein Vereinsheim nicht ausschließlich für sich nutzt, sondern es auch günstig vermietet - unter anderem für private Familienfeiern.

Wobei die Ansichten und Gepflogenheiten im Bürgervertreter-Gremium Haag selbst vertraut waren, schließlich gehörte er als Mitglied der SPD-Fraktion dem Ortsparlament selbst von 1978 bis 1989 an. Jahrgang 1940, aufgewachsen in Schwaikheim, begann er im Jahr, als Deutschland zum ersten Mal Fußballweltmeister wurde, mit dem Spiel im Posaunenchor. 30 Jahre lang war er dort aktiv. Von 1974 bis 1984 war er Chorleiter, von 1973 bis 1982 Gesamtelternbeiratsvorsitzender der Schule. 1978 „bearbeitete“ ihn dann die SPD erfolgreich für eine Kandidatur bei der Wahl zum Gemeinderat. Er war nicht in der Partei, die SPD habe eben als Erstes gefragt.

1978 trat er in den Mandolinenclub ein, wegen der Tochter, die Akkordeon lernte. Von ‘80 bis ‘82 war er im Ausschuss, dann ein Jahr lang Zweiter Vorsitzender, dann kommissarisch Erster Vorsitzender und schließlich ab ‘84 regulär an der Spitze, wo er bis heute steht. Heuer ist er also ein Vierteljahrhundert im Vorstand des Vereins.

Die Zukunft des Vereinsheims sieht Haag in trockenen Tüchern, der Teil des Grundstücks, auf dem es steht, gehört mittlerweile der Gemeinde, mit ihr ist ein Pachtvertrag über 20 Jahre abgeschlossen, und auch für die Zeit danach erwartet Haag keine Probleme. Die Dirigentenfrage für beide Orchester hat er gelöst, und zwar, seiner Einschätzung nach, mit zwei sehr guten Leuten und auf absehbare Zeit. Neu ist sein Amt im Kuratorium der jüngst gegründeten Bürgerstiftung. Aber auch das gehe, wie alle anderen Funktionen, nur mit der vollen Unterstützung seiner Frau, betont Haag: „Ohne sie wäre das alles gar nicht möglich gewesen.“ Die Ämterfülle, die über viele Jahre sich daraus ergebenden Pflichten wahrzunehmen, dürfte Haag schon rein zeitlich nicht leicht gefallen sein. Denn der gelernte Schriftsetzer machte sich 1969 mit einer Druckerei in Stuttgart selbstständig. 1999 übergab er sie an einen Mitarbeiter.

Wie sieht er die Zukunft der beiden Orchester? Die Zeiten, als der Akkordeonklangkörper 90 Mitglieder hatte, sind längst vorbei. In den 70er/80er Jahren war es viel leichter, die Jugend für dieses Instrument zu begeistern, erinnert sich Haag. Derzeit sind es noch 14 Mitspieler, der Altersdurchschnitt liegt zwischen 40 und 50, es gibt aber auch betagte Mitglieder. Aber wegen und mit der neuen Dirigentin Janina Rüger ist Haag zuversichtlich. Seit er 2005 die Berufsmusikerin über den Korber Verein nach Schwaikheim gebracht hat, sind einige neu dazugekommen, fünf sind zur Zeit in der Ausbildung bei ihr. „Die hat viel bewegt in der Zeit, mit ihr haben wir auch Glück gehabt.“ Ebenso optimistisch ist er beim Mandolinenorchester und dessen noch sehr jungem Dirigenten Oliver Boegler. 18 Spieler, normaler Altersdurchschnitt, zwei Mitglieder bilden Nachwuchs an der Gitarre aus, 30 Jugendliche sind in Ausbildung. Der Verein hat derzeit etwa 140 Mitglieder.

 

 

 

Erich Zürn und Frau, Claudia Müller, Wolfgang Müller und Dieter Haag (v.l.) Bild: Bernhardt

 

Der Mandolinenclub war für den musikalischen Teil des Neujahrsempfangs zuständig. Bild: Bernhardt