Rund um Waiblingen

Auch der Nachwuchs hat beim Frühjahrskonzert des Mandolinenclubs sein Können gezeigt. Bild: Schlegel

Sanfte Saiten bieten auch Trost

Von unserem Mitarbeiter Michael Riediger

Schwaikheim. Es dürfte kein Zufall sein, dass sich ausgerechnet der Mandolinenclub Schwaikheim mit seinem traditionellen Frühjahrskonzert an die einzige Musikveranstaltung dieses Wochenendes im Winnender Umfeld gewagt hat: So sanft klingen die Saiten der Gitarren und Mandolinen, so einschmeichelnd friedlich, dass sie auch für Trauernde Labsal sein sollten.

Die Stimmung in der Schwaikheimer Gemeindehalle mag ein wenig nachdenklicher als sonst gewesen sein, aber immerhin: Das Konzert fand statt. Und die Schwaikheimer, unter ihnen Altbürgermeister Lothar Krüger, Bürgermeister Gerhard Häuser samt Gattin und der Jubilar Horst Boegler, der für 50 Jahre im Verein geehrt wurde, zeigten eine etwas gedeckte, aber doch hoffnungsvolle Stimmung.

Laut Dieter Haag, dem Vorsitzenden des Mandolinenclubs, sollte Musik „das Mitgefühl für die Angehörigen zum Ausdruck bringen und der Jugend helfen, die Ereignisse zu verarbeiten“.

Wozu die beiden Zupforchester des Vereins nicht mal groß ihr ursprünglich geplantes Programm ändern mussten. Als das junge Gitarrenschülerensemble mit Popstücken begann, klangen die Gitarren so gedämpft und friedlich, wie es meist ihre Art ist.

Und selbst Vangelis’ Henry-Maske-Melodie, die der Boxer immer abspielen lässt, wenn er eine Halle betritt, wirkte in ihren harmonischen Schwingungen besänftigend. Schön, wie hier immer mehr Stimmen zu einer immer größeren Schichtung des Gitarrenklangs beitrugen. Und wie die jungen Musiker an den Frühling, an eine Zukunft, aber auch an den Fortbestand einer gut geerdeten Tradition denken ließen. Was laut Moderator Jörg Schmidt der Grund ist, dass die Frühjahrskonzerte immer von der Jugend eingeleitet werden.

Akkordeonorchester passte sein Programm an

Eine Tradition und Spielkultur, die sich im Mandolinenorchester fortsetzte. Zunächst in vier Sätzen der fünfsätzigen „Suite Nr. 2 op. 31“ von Konrad Wölki, der für Zupforchester Original-Kompositionen im klassischen Stil schuf und in dieser Suite einen zwei- bis vierstimmigen Gitarrensatz dem Orchester gegenüberstellt. Was im Satz „Mit innerer Beschwingtheit“ besonders exemplarisch dazu führt, dass die Gitarren den Mandolinen-Motiven wie auf Zuruf antworten - ein schönen Effekt. Besonders schwebend, im Stil eines klassischen Adagio, der Satz „Sehr gemessen“, eher tänzerisch die folgenden. Dass danach vereinzelte Bravos zu hören waren, galt wohl nicht nur der Spielkunst des Orchesters, sondern auch dem Stück selbst.

Ähnlich attraktiv das folgende „Les bibelots du diable“ von Mario Macciocchi, ein Klassiker der Zupforchester-Literatur. Mit beiden Werken interpretierten die Saitenmusiker, die vom jungen Dirigenten Oliver Boegler sehr einfühlsam geführt wurden, eine ausreichend ernste und gemessene Musik, wie sie dem Anlass entsprach. Anders ging es dem Akkordeonorchester des Vereins. Das musste sich den Gegebenheiten anpassen und die ursprünglich geplanten Programmpunkte „Teufelstanz“ und „Krimi-Puzzle“ aus dem Programm nehmen.

Auch hier begann die Jugend: Vier blutjunge Akkordeonschüler zeigten sich in ihrem Vortrag von vier kleinen Stücken konzentriert kämpfend - und siegten! Jede Melodie gewann an klarer Kontur, und mit dem Lampenfieber wurden die Akkordeonjunioren auch schnell fertig.

Die Senioren des Mandolinenclubs, ebenfalls unter der Leitung von Janina Rüger, hatten einen Bach-Choral eingeprobt, „Jesus bleibet meine Freude“ aus der Kantate 147, eine der ganz berühmten Melodien der Musikgeschichte. Das Orchester spielte sie mit sanften Zungen, ein erneuter Beweis, dass das Akkordeon heute längst alles spielen kann, selbst Choräle. Ein Eindruck, der nach den Ehrungen mit weiterer großorchestraler Musik (Franz von Suppés „Dichter und Bauer“-Ouverture und Albert W. Ketelbeys „Auf einem persischen Markt“) vertieft wurde.

Artikel vom: 24.03.2009