Rund um Winnenden

Als „gute Seele“ des Vereinsheims verkörpert Strecker auf seine sehr offene, direkte Art den Mandolinenclub.

Zu schwere Hände für die Musik

Von unserem Redaktionsmitglied Uwe SpeiserSchwaikheim.

„Ich bin nicht der Wirt, ich bin der Walter“, entgegnet Strecker launig und ihn kennzeichnend zugleich. Seit 20 Jahren bewirtschaftet er das Mandolinenclubheim. Im Grunde ist er dessen Seele. Seit 40 Jahren ist er Kassier des Vereins. Beides als Hobby mit Leib und Seele. Im Rückblick auf die vielen Jahre im Ehrenamt haben die beiden Funktionen Streckers viel miteinander zu tun.

Bevor er das Vereinsheim übernahm, hatte Strecker schon jahrelang geholfen, es zu bewirten. Natürlich war auch er dabei, als das Gebäude, das vorher Teil einer Schule in Stuttgart gewesen war, aufgestellt wurde, auf einer Wiese, deren Bäume er mitgefällt hatte.

Der 67-Jährige weiß heute noch jeden, der damals mit Hand anlegte, erinnert sich genau, welcher der örtlichen Handwerker Arbeitskraft, Fachwissen, Maschinen, Geräte, Fahrzeuge zur Verfügung stellte, nicht nur seinerzeit, sondern auch in den Jahren darauf, bei Instandsetzungen, beim neuen Dach, bei der Verlegung der Terrasse und und und. Strecker, immer dabei, und einer, der „hinlangen“ kann, machte sich auch stets Gedanken um den Erhalt.

Strecker ist seit 1964 im Mandolinenclub. Im Jahr darauf musste er zum Bund. Nach der Rückkehr eröffnete ihm der Dirigent, dass er fürs Mandolinespielen leider „zu schwere Hände“ habe. Eine Ansicht, der sich Strecker, damals auf die 30 zugehend, nicht verschloss. Aus ihm wurde also kein Musiker. Der Gedanke, dass er da dem Verein ja den Rücken hätte kehren können, ist ihm fremd: „Wieso denn? Ich war doch begeistert von ihm.“ Da pocht Herzblut.

Auch schwere Hände und den Willen, sich einzubringen, konnte der Mandolinenclub natürlich brauchen. 1968 übernahm Strecker das Amt des Kassiers. 1989 wurde er dann, wenn man will, der Wirt des Vereinsheims, zusammen mit seiner Frau. Sie sind stets da bei den Proben, bei Veranstaltungen des Mandolinenclubs und auch wenn die Räume für Feiern von anderen Vereinen oder für private Feste wie Hochzeiten, Taufen, Geburtstage genutzt werden.

Den Schlüssel gibt Strecker nie aus den Händen

Strecker lässt das Heim nicht aus den Augen, gibt die Schlüssel nie aus der Hand. Er öffnet es auch für Nichtmitglieder und Auswärtige, wobei Vermietungen nach dem Zeitpunkt der Anmeldung erfolgen. Wer zuerst dran ist, ist drin, Vereinsmitglieder werden von Strecker nicht bevorzugt. An eine Veranstaltung erinnert er sich besonders: Im Anschluss an die Einweihung des angrenzenden Gewerbegebiets Klingwiesen war die Gemeinde Gast. Der ganze Vorstand musste mit ran beim Bewirten.

Strecker kassiert die Beiträge noch bar, zumindest bei den Einheimischen. Bei der Handvoll Auswärtiger - entweder weggezogen oder weil es an ihrem Ort kein Mandolinen- oder Akkordeonorchester gibt - wartet er oft die passende Gelegenheit bei Festen ab. Er kennt also alle persönlich.

Anfang der 90er stellte Strecker um, die Brauereien, zunächst Ritter (Schwäbisch Hall), dann Hofbräu, verabschiedeten sich, er kaufte fortan die Getränke fürs Vereinsheim ausschließlich bei Vollmer im Ort ein, wie zuvor schon bei den Vereinsfesten. Kurios: Strecker ist selbst weder ein großer Bier- noch Weintrinker. Allenfalls ein Radler gegen den Durst genehmigt er sich gelegentlich.

Weniger private Feste als vor der Euro-Umstellung

Das Vereinsheim ist offen zu den Proben und zu Veranstaltungen. Private Feiern dort sind weniger geworden, seit der Euro-Umstellung, hat Strecker festgestellt. Vorher waren er und seine Frau fast an jedem Wochenende im Einsatz. Der Verein braucht die Einnahmen, das weiß der Kassier, schließlich belaufen sich die Kosten für das Gebäude auf 6500 Euro im Jahr. Wobei Strecker, Stichwort „schwere Hände“, viel selbst erledigt und für das übrig bleibende seinen kurzen Draht zu einheimischen Betrieben nutzt. „Ich bin aber auf den Ausschuss und andere Helfer angewiesen, die kommen sofort, wenn Not am Mann ist.“

Eine Miete im eigentlichen Sinne für das Heim verlangt der Verein bei privaten Feiern bislang nicht. Die Gäste müssen die Getränke vom Verein abnehmen, zu zivilen Preisen, und eine Spende an den Verein darf’s gerne sein. Das Heim gehört dem Verein, das Grundstück der Gemeinde.

Noch deutlich im Gedächtnis: Das Schuldenmachen fürs Vereinsheim

Irgendwann wird sich der Verein grundsätzliche Gedanken ums Domizil machen müssen. Vorausschauend schlug Kassier Strecker die Bildung von Rücklagen und eine Beitragserhöhung vor. Er erinnert sich an die Zeit, als der Verein wegen des Vereinsheims 90 000 Mark Schulden machen musste, abgesichert durch Bürgschaften von Mitgliedern.

Artikel vom: 21.01.2009, WiZ