Winnender Zeitung 04.03.08 - Rund um Winnenden

Das Mandolinen-Orchester unter Leitung von Oliver Boegler. Bild: Pavlovic

Magische Musik: Duftendes Zitronenaroma

Von unserem Mitarbeiter Michael Riediger, Schwaikheim.

Beim Frühjahrskonzert in der gut besuchten Gemeindehalle hat es sich wieder gezeigt: Der Mandolinenclub, gegründet 1921, ist ein alter Verein mit jungen Musikern. In beiden Orchestern, auch dem der Akkordeon-Abteilung, spielen Musiker aller Altersgruppen, darunter viele unter 40. Und das ist etwas Besonderes auf der Vereinsebene - nicht nur in Schwaikheim.

Ein öfters gehörter Kommentar in der Pause: „Wie viele Junge die hend!“ Da tobten gerade Kinder ausgelassen durch die Gemeindehalle und machten mächtig Lärm. Aber die waren nicht gemeint, sondern die jungen Musiker des Mandolinen- und des Akkordeon-Orchesters. Vor allem Erstes ist stark besetzt mit jüngeren Jahrgängen. Beide Abteilungen des Mandolinenclubs leisten wohl eine funktionierende Jugendarbeit.

Jede begann ihren Teil des Programms mit einem Schüler-Ensemble, die Mandolinen-Minis unter der Leitung von Oliver Boegler mit unter anderem John Lennons „Image“, das Akkordeon-Jugend-Ensemble (Leitung: Janina Rüger) mit einem netten mehrstimmigen Kanon.

Beide Dirigenten sind in ihren Abteilungen als Leiter sowohl der Schüler- als auch der Erwachsenen-Orchester tätig. Beide sind sehr jung, beide strahlen Begeisterung für die Musik und den öffentlichen Auftritt aus, was sie offenbar auf ihre Musiker zu übertragen wissen, junge wie ältere.

Denn in der Gemeindehalle machten auch die „Großen“ Werbung für ihr Instrument. Beim Mandolinenorchester oder Zupforchester, besetzt auch mit der tiefer gestimmten Mandola und einigen Gitarren, lag sie in der Luft, die Magie der Mandoline mit ihrem Geruch nach Zitronen und Zypressen, nach würzigen Kräutern unter mediterranem Himmel. Sehr schön klang zwar auch „Planxty O’Carolan“, eine irische Suite mit vielen Wechseln in der Dynamik von sanft streichelnd über perlend pointiert bis heftig akkordisch.

Doch die Zitronen-Aromen dufteten natürlich noch stärker in den Stücken aus südlichen Regionen, etwa einem Tango und einer Rumba. Das wohl typischste Stück: „O sole mio“ von Eduardo di Capua, jene herzerweichende Melodie, die anlässlich der Olympiade 1920 in Antwerpen an Stelle der italienischen Nationalhymne erklang. Diese und weitere Informationen lieferte der Moderator des Frühjahrskonzertes, Jörg Schmidt, selber Mandolinen-Spieler.

Auch das Akkordeon-Orchester unter Janina Rüger hatte, neben einem „My Fair Lady“-Medley und einem Potpourri aus Italo-Pop-Hits, Besonderes im Programm: die kuriose Parodie „Eine kleine Lachmusik“ von Wolfgang Schröder, durchsetzt mit Gags wie dem Mitgröhlen einzelner Stellen und ein paar erschreckenden Schlägen des Schlagzeugers, oder dass die Musiker am Ende ihre Notenblätter vom Pult fegten.

Ein lebendiger Musikverein, wie gesagt, mit Tradition, aber ebenso mit Gegenwart und ganz offensichtlich auch einer Zukunft. Bei den Ehrungen indes ging’s natürlich in erster Linie um die Vergangenheit.

Hildegard Scharlis, Peter Preis und Karl-Heinz Strecker geehrt

Drei „Urgesteine des Vereins“ holte der Erste Vorsitzende Dieter Haag auf die Bühne, um Ehrenamtlichkeit und ein Stück weit auch Vereinsgeschichte ein Gesicht zu geben. Hildegard Scharlis, 28 Jahre dabei, bis zu den Vereinswahlen im Januar 28 Jahre lang Jugendleiterin und laut Haag „Mädchen für alles, bekam die Ehrenmitgliedschaft verliehen; Peter Preis, seit 1963 Mitglied und 30 Jahre lang Schriftführer und Karl-Heinz Strecker, seit 1984 bis zum Januar 2. Vorsitzender und Mitglied seit 1964, wurden ebenfalls ausgezeichnet.

Das originellste Geschenk blieb dem jungen Frederik Horn vorbehalten, der das Konzert am Saxofon sowie als Percussionist durchweg kompetent begleitet hatte: ein Auto aus Schokolade, weil Horn zum einen Süßes mag, zum anderen bald seinen Führerschein macht.