Rund um Winnenden

Dirigentin Janina Rüger und das Akkordeonorchester des Mandolinenclubs wagten zu Beginn des Konzerts in der Kirche ein schwieriges Stück. Bild: Pavlovi

Klangliche Trümpfe ausgespielt

Schwaikheim. Weltliche Klangkörper wie Gitarre, Mandoline und Akkordeon sind längst kirchenkonform. Der Mandolinenclub beschränkte sich beim Auftritt in der Mauritiuskirche aber nicht auf sakrale Musik, sondern spielte alle Trümpfe seiner Instrumente aus. Mit dem Ergebnis, dass das Konzert vital, beschwingt, ja sinnlich geriet.

Toll, was das Akkordeon alles kann. Es kann Sinfonieorchester ersetzen und sowohl Streicher wie Hörner imitieren, das Zwitschern der Geigen, das Säuseln der Flöten. Aber es bringt auch eine eigene, reizvolle Note ins Spiel, etwa ein volles, akkordisches Dröhnen in Tutti-Passagen, das an eine Orgel erinnert. So geschehen in Johann Christian Bachs Sinfonia in B-Dur. Der jüngste Sohn von Johann Sebastian komponierte zwischen den Epochen Barock und Klassik, vor allem der langsame zweite Satz seiner dreisätzigen Sinfonie erinnert noch an den Stil des Vaters. Der Klassik-Kraftakt wurde nicht zum Höhepunkt des Konzertes. Denn das Akkordeon-Orchester hatte im rhythmisch hörbar schwierigen dritten, schnellen Satz so seine Probleme. Immerhin muss der Mut des Orchesters und seiner Dirigentin Janina Rüger gewürdigt werden, sich an eine Sinfonie von solchem Schwierigkeitsgrad zu wagen.

Ein erstes, geradezu perfekt realisiertes Glanzlicht dagegen Astor Piazzollas Filmmusik „Oblivion“. Der Argentinier kennt sich mit dem Akkordeon aus und komponiert genau für seine Klangmöglichkeiten. Und so durfte sich die Solistin Heike Ettinghausen mit Tönen, die voller Seele und Sehnsucht steckten, in die Herzen der Zuhörer spielen, während das Orchester so zurückhaltend wie einfühlsam begleitete. Sehr gelungen auch die zwei „Nordischen Märchenbilder“ von Tillo Schlunck, eines getragen und eines burlesk-beschwingt.

Im zweiten Teil gesellte sich Jörg Schmidt als Moderator und Mitspieler zum Mandolinenorchester. Und das Orchester begann gleich mit Bekanntem: der Eurovisions-Melodie, die seit 1954 europaweit ausgestrahlte Fernsehsendungen einleitet. Das prägnante Motiv kommt von Marc-Antoine Charpentiers Te-Deum-Preludium, das das Mandolinenorchester (Leitung: Oliver Boegler) nicht schmetterte, wie es sonst immer geschieht, sondern sanft zupfte. Ein ungewöhnlicher, faszinierender Höreindruck. Etwas weniger spektakulär klangen danach Mozarts Deutsche Tänze, alle drei im Walzertakt und vom Orchester gediegen gespielt, sowie das dezent pentatonische „Kawa-no-nagare-no youni“ eines zeitgenössischen japanischen Komponisten.

Typischer für Gitarren und Mandolinen, und deshalb noch einprägsamer, waren zwei spanisch eingefärbte Stücke, zunächst „El Punteador“ des deutschen Jazz-Gitarristen Franz Probst, eine schwungvolle südländische Impression, sowie abschließend Salvettis „Rhapsodia Spanola“, ein Medley spanischer Tänze.

Artikel vom: 27.10.2009