Spanische Lebensfreude und Kastagnetten

Mandolinen- und Akkordeon-Ensembles des Mandolinenclubs Schwaikheim gaben am Sonntag ihr Frühjahrskonzert


Von unserem Mitarbeiter Mathias Schwappach, Schwaikheim.

Während der Wahltag für manche zum „schwarzen Sonntag“ wurde, begingen Mitglieder und Freunde des Mandolinenclubs Schwaikheim ihr traditionelles Frühjahrskonzert mit einem „Strauß bunter Melodien“. Auch die „Beteiligung“ konnte sich hier sehen lassen: Obschon es regnete, fanden rund 300 Gäste ihren Weg in die Gemeindehalle.  

Den Anfang macht nach traditionellem Turnus das Gitarrenschüler-Ensemble unter der Leitung von Oliver Boegler. Wie etwa der leichtfüßige Beinschwinger-Tanz „Can Can“ auch ganz bieder und besinnlich wirken kann, oder wie in einem amerikanischen Folk-Medley auch ein Schwaikheimer der Susanna ein Ständchen samt „Banjo auf dem Knie“ bringen kann - das haben die rund 30 Schüler längst begriffen. Bei der Cat Stevens Ballade „Father and Son“ üben sich die Nachwuchs-Barden gar noch in der ewigen Zusatz-Disziplin des Gitarristen und singen choral den Text mit.

„Blumen aus Sorrent“ bringen mediterranes Flair

Beim Auftritt des Mandolinenorchesters lässt es sich Dirigent Boegler nicht nehmen, auch selbst ins musikalische Geschehen einzugreifen. Die eigene Mandoline vor dem Bauch, gibt er per Kniebeugen und Kopf-nicken die Einsätze beim Walzer „Blumen aus Sorrent“ von Rudolf Krebs. Mandolinen-Tremoli, untermalt von Gitarren, Percussion und Akkordeon, erzeugen in der Halle ein mediterranes Flair. Während des japanischen Seefahrerlieds „Hamabenouta“ entführt das Orchester seine Zuhörer auf wogenden Wellen, hinaus auf heitere See - bevor man in Spanien zu Agostin Laras „Granada“ wieder vor Anker geht. Einen Hauch argentinischer Atmosphäre erzeugt Leroy Andersons „Blue Tango“, welcher vom Mandolinenorchester sanft-umschmeichelnd intoniert wird. Um eine Zugabe lässt sich das Ensemble nicht lange bitten und demonstriert bei einem spanischen Volkstanz noch einmal seine klangvolle Leidenschaft zu dem bauchigen Zupfinstrument.

„Spanisches“ von Adolf Götz und Händels Largo

Spanisch geht es auch weiter mit dem Akkordeonorchester unter der Leitung von Janina Rüger: Georg Friedrich Händels „Largo“ büßt auch im Harmonika-Arrangement nichts von seiner konzertanten Kraft ein. Auch das Akkordeonorchester verbreitet mit der „Rhapsodia Andalusia“ von Adolf Götz spanische Lebensfreude: Konzertant getragene und akzentuiert rhythmische Parts wechseln sich ab; sogar Kastagnetten kommen zum Einsatz und unterstreichen das andalusische Temperament.

Ein echtes Highlight ist auch die Harmonika-Version von „Morgenstimmung“ aus Edvard Griegs „Peer Gynt-Suite 1“. Sanft schimmern die ersten Sonnenstrahlen in den tonmalerischen Färbungen des Orchesters, die ersten Vögel zwitschern, erhaben erhebt sich die Sonne im Akkordeon-Tutti. „Ein neuer Tag beginnt“ ist auch eine Textzeile aus dem nun folgenden „Memory“ aus Andrew Lloyd Webbers Musical „Cats“. Der Text dieser Arie Grizabellas ist zwar nicht Teil der Darbietung, doch lassen sich deren wehmütige Erinnerung an die Jugend und ihre innige Hoffnung auf die Zukunft unschwer aus der Akkordeon-Weise erahnen. Weitaus dramatischer und um ein Vielfaches bedrohlicher wirkt das „Phantom of the Opera“: Beeindruckend imitieren die Harmonikas die tragenden Orgel-Parts, hetzen gänsehautträchtig durch das Labyrinth der Nacht und ersterben schließlich auf dem finalen Schrei der Christin Daé.

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