Wie eine Orgel erklingen die Harmonikas

Beeindruckendes Konzert mit Zieharmonika-Ensemble und Mandolinen-Orchester in der Katholischen Kirche Schwaikheim

Vielseitigkeit bewies das Mandolinen-Orchester in der Schwaikheimer Kirche. Bild: Privat

Von unserem Mitarbeiter Mathias Schwappach, Schwaikheim.

Ein Engel verkündet Maria die frohe Botschaft, gleich daneben lodert das „Feuer der Liebe Gottes“. Solche und ähnliche Szenen zeigen die neuen Kirchenfenster des katholischen Bethauses in Schwaikheim. Als Förderer der nicht ganz billigen Glaskunst sprang der Mandolinenclub Schwaikheim ein: Bei dessen Benefizkonzert am Sonntag bedankten sich 200 Zuhörer mit Spenden, die direkt in die „heilige Aussicht“ flossen.  

Mandoline spielt man auf Sizilien, Harmonika im Musikantenstadl - denkste! Obschon die beiden Instrumente sonst kaum etwas verknüpft, so sind sie doch vereint im Mandolinenclub Schwaikheim, der nebst seinem Saiten-Orchester auch ein Akkordeon-Ensemble beheimatet. Nacheinander musizieren die beiden Orchester in der noch weihnachtlich geschmückten Kirche und widerlegen dabei jegliches gängige Klischee gegen eines ihrer Instrumente.

Den Anfang machen an diesem Sonntag die Harmonikas: Zehn Akkordeonisten und ein Schlagzeuger waschen die Quetschkommoden rein vom Vorurteil Volksmusik. Das Eröffnungs-Stück ist „Marienkind“ aus Tillo Schluncks „Nordische Märchenbilder“. Gleich einer Orgel erklingen die Schifferklaviere festlich im Kirchenschiff; ruhig und getragen schallen die Harmonikas in sanfter Fjord-Romantik. Friedlich startet auch die nächste Komposition: Edvard Griegs „Morgenstimmung“ aus der ersten „Peer Gynt Suite“. Während regulär zu Beginn eine Querflöte ertönt, wird deren sanfter Eingesang meisterhaft vom Akkordeon nachempfunden. Und auch sonst bildet sich der erstrebte Klang optimal auf die zehn Harmonikas ab: Angefangen bei der schimmernden Morgenröte, hinweg über den erhabenen Sonnenaufgang bis hin zum lichten Tag - das Orchester setzt sämtliche Klangfärbungen des Grieg-Originals um.

Aus Rudolf Würthners „Heitere Suite“ spielt das Ensemble die Sätze „Scherzino“ und „Ausklang“. Bisweilen tief und brummend, dann wiederum hell und trällernd; von zahm und chorisch bis hin zu temperamentvoll und akzentuiert, schöpfen die Musiker die Klangmöglichkeiten ihrer Instrumente voll aus. Gleiches gilt auch für Jaques Offenbachs „Barcarole“ aus „Hoffmanns Erzählungen“ und für das Akkordeon-Finale: das Titelthema aus Andrew Lloyd Webbers „Phantom der Oper“. Zwar im Tempo minimal reduziert, dafür jedoch machtvoll, dramatisch und expressiv, spukt der Opern-Geist durch die Schwaikheimer Kirche und wird nach des Stückes Ausklang mit einem begeisterten Applaus wieder verscheucht. „Das Akkordeon hat eine unheimlich große Klangvielfalt“, schwärmt Dirigentin Janina Rüger, die seit Sommer 2005 die Leitung des Ensembles innehat. „Es ist viel machbar. Und genau das wollten wir heute zeigen, jedes Stück hatte seine ganz eigenen Raffinessen.“

Ähnliches haben sich auch die Kollegen vom Mandolinen-Orchester vorgenommen. Geleitet vom Taktstock des Mandolinen-Virtuosen Oliver Boegler, demonstrieren auch die Klampfen Vielseitigkeit. Zum Auftakt gibt es mit Simone Salvettis „Poesia Alpestre“ ein tremolierendes Frage-Antwort-Spiel, pendelnd zwischen verspieltem Trällern und getragen-dramatischen Kehrreimen. Aus der Pop-Ecke hat sich das Mandolinen-Ensemble „Wind of Change“, die Mauerfall-Hymne der Scorpions, entliehen. Die balladesk und stark rhythmisiert vorgetragene Weise wirkt durch ihre affektierten Tremoli fast noch stärker als Scorpions-Sänger Klaus Meines Stimme und entfaltet so auch instrumental ihre emotionale Erhabenheit.

Zum Schluss gibt es noch ein japanisches Stück: „Kawa-no-nagare-no-youni“ - heißt in etwa: „wie ein fließender Strom“.